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Burgen-Blick - neue Kaiserlinde für Sülzenbrücken

Eine neue Kaiserlinde für Sülzenbrücken

Auf dem Sülzenbrücker Anger steht eine große Baumgruppe, die Kaiserlinden. Sie prägen das Ortsbild mit und so soll es auch bleiben. Deshalb wurde am 21. April für eine der altehrwürdigen, aber nunmehr abgestorbene Linde eine neue gesetzt.
Drei unserer schönen alten Kaiserlinden wurden vor 141 Jahren, im Jahr 1882 gepflanzt. Eine weitere Linde stand bereits. Als Anlass nennt die Chronik entsprechend dem damaligen Zeitgeist die Geburt des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Sie sollten wohl den aktuellen und die nachfolgenden Kaiser symbolisieren. Im Laufe der Jahrzehnte haben sie sich zu einer imposanten Baumgruppe entwickelt. Allerdings waren es seit geraumer Zeit nur noch drei Bäume. Jetzt hatte der nächste sein Lebensalter erreicht, also Zeit für eine Neupflanzung!

Das Areal hatte aber auch vor 1882 schon eine gewisse Bedeutung. Der Chronist A. Tantz berichtet, es hätten schon früher Lindenbäume hier gestanden mit einem großen Stein in ihrer Mitte. War es der sogenannte Breite Stein? Nach diesem ist das Flurstück oberhalb des Angers benannt. Auf seiner Oberseite hatte der Stein eine rinnenartige Vertiefung, eine Blutrinne, schreibt Tantz. Er „vermutet eine Bedeutung des Steins und seiner Umgebung“. Um die Jahrhundertwende ist dieser Stein ins Dorf geschafft und dann 1913 beim Bau des Kriegerdenkmals verarbeitet worden. Noch in einem weiteren Zusammenhang wird der Breite Stein erwähnt. Der von 1889 bis 1899 in Sülzenbrücken tätige Lehrer Hollstein hat hier Ausgrabungen durchgeführt und ein Skelett gefunden „in der bloßen Erde auf Fels gebettet“ sowie verschiedene Grabbeigaben. Über den Verbleib dieser Funde ist heute leider nichts mehr bekannt.

In späterer Zeit war am Anger eine Tongrube und in den 1930er Jahren ein Schießstand. Nach dem Krieg stand hier eine Baracke, in der mehrere Flüchtlingsfamilien aus den Ostgebieten auf Grund der Wohnungsnot leben mussten. Heute ist der vordere Teil des Angers bebaut (Rehestädter Weg). Der sogenannte Hohe Anger, über Jahrhunderte Hutfläche für den Sülzenbrücker Schäfer, ist Streuobstwiese geblieben.

Doch zurück zur feierlichen Baumpflanzung am 21. April: Startpunkt für den kleinen Festzug war das Bürgerhaus. An der Spitze fuhr ein Feuerwehrauto. Es folgte der Fanfarenzug Ichtershausen und das Fahrzeug des Bauhofes, gesteuert durch den Ortsteilbürgermeister. Auf der Ladefläche stand die neue Kaiserlinde, geschmückt mit der Sülzenbrücken-Fahne. Der Kaiser in Paradeuniform vervollständigte das festliche Bild. Viele interessierte und frohgelaunte Bürgerinnen und Bürger schlossen sich dem Zug an. Mit Marschmusik ging es durch Mittelgasse, Wachsenburgblick und Anger zur Pflanzstelle, den Kaiserlinden. Der neue Baum wurde in die Pflanzgrube gehoben. Es folgten eine kurze Rede des Ortschronisten zur Geschichte der Kaiserlinden sowie ein Grußwort des Ortsteilbürgermeisters und auch des „Kaisers“.

Unter den Klängen des Fehrbelliner Reitermarsches, besser bekannt als „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben“, erfolgte unter Beifall der Zuschauer die Pflanzung. Ein paar Schritte unterhalb des Geschehens hatte der Ortsfeuerwehrverein bereits Grill, Getränkestand und Sitzbänke aufgebaut. Alle konnten sich von der „anstrengenden Zeremonie“ erholen oder das soeben Erlebte und seine Geschichte diskutieren.

Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, die das Miteinander in Sülzenbrücken beförderte. Der Dank des Ortsteilrates und des Ortsteilbürgermeisters gilt allen Beteiligten wie dem Fanfarenzug Ichtershausen, Feuerwehr und Ortsfeuerwehrverein Sülzenbrücken, dem Bauhof sowie den privaten Helfern, die zum Gelingen beitrugen. Bereits am Tag danach versorgten vier kräftige Jugendfeuerwehrmänner zwischen 8 und 13 Jahren den Baum mit wichtigem Nass, aber auch die Anwohner wollen mal gießen.

Quelle

Bild von Ortsfeuerwehrverein Sülzenbrücken
Text von Bernd Hartung

Burgen-Blick

Erschienen in der Ausgabe: 1. Juli 2023