Bach lässt Bühne beben – Wechmar erlebt grandiose Festspiele

Mit zwei umjubelten Vorstellungen in der vollbesetzten Sankt Viti Kirche ging am 11. und 12. September „Anna Bach des Spielmanns Teufelsweib“ über die Theaterbühne in Wechmar. Zum siebten Male veranstaltete der Wechmarer Heimatverein e.V. die „Veit-Bach-Festspiele Wechmar“, in denen er die Geschichte der Wechmarer Musikerfamilie Bach von 1600 bis 1843 in einem Theaterzyklus erzählt. In diesem Jahr führte das Volksschauspiel ins Jahr 1626, wo mitten im Dreißigjährigen Krieg der erste Musiker der Familie um das Überleben seiner Familie kämpft. Doch nicht er selbst, Hans Bach, ein Spielmann, rückt in den Mittelpunkt, sondern seine kluge selbstbewusste Frau Anna, die Tochter eines Gastwirtsehepaares vom Wechmarer Markt. Sie bewegt die Nachbarn zu unkonventionellen Entscheidungen, die das Dorf vor den Soldaten und großem Schaden bewahren.

Es sind die zwei Müllerinnen des Dorfes (Grit Schack und Franziska Ronsöhr) die durch Zeit und Raum führen, wo alles durcheinandergerät. Ganz anders die vier Fischerinnen (Ute Czapp, Ivonne Nagel, Undine Gleichmar und Martina Petschke) die ständig mit der Salzsiederin (Karin Grebhan) streiten, wer wohl den schmackhaftesten Fisch aus dem Bach holt. Letztendlich müssen Herzog Johann Casimir (Wolfgang Herz) mit Herzogin (Lara Baumgarten) ins Geschehen eingreifen um einen Sängerkrieg zwischen seinem Hofkapellmeister Melchior Franck (Martin Müller Schmied) unterstützt von seinem Eheweib (Elisabeth Müller Schmied) und dem Spielmann Hans Bach zu schlichten.

Im Mittelpunkt des Schauspeils steht Anna Bach, performt von Hauptdarstellerin Natalie Schüller, die nicht nur auf der Bühne überzeugte, sondern auch hinter den Kulissen Maske und Frisuren terminierte, die Sängerinnen und Sänger koordinierte sowie im Vorfeld den Kartenvorverkauf und die Plakatwerbung managte. Auch die Einstudierung von zwei Tänzen hat sie übernommen. Gemeinsam mit Ehemann Lars Schüller verkörperten Neo, Leo und Pascal die drei musikalischen Söhne Heinrich, Christoph und Johannes Bach. Ob auf der Wanderschaft, am Hof in Coburg oder im Haus des Junkers von Spitznase, es gab viel zu erleben in dem zweistündigen Spiel, dass immer wieder den Frieden thematisierte.

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Hans Bachs Bruder Caspar und seine Gothaer Frau Katharina (Arndt und Kathleen Schmidt) blickten weitsichtig vom Turm in Gotha und fanden in Arnstadt eine neue Heimat. Seinen Job in Gotha überlässt Caspar dem Fiedler Matz Ziesecke (Daniel Schmidt) dessen Frau (Tina Neumann) aus Freude darüber die Harfe anstimmt. Mit dem liebenswerten Kirchenvater Brand (Siegmar Gleichmar) entstand eine Rolle, die mit dem Satz „Früher, war alles viel besser“ stets die Lacher auf ihrer Seite hatte. Das das Buckelapothekerpaar (Dr. Sarah und Philipp Liebezeit) den Müllerinnen ein Wachslicht verkauften, dass später den Besitz der Herren von Spitznase (Thomas Thielmann und Johanna Schack als Ehepaar sowie Frank Supplieth als Bruder und deren Mutter Spitznase Uta Vollmer) in Schutt und Asche legte, gibt dem Spiel eine Dramatik, die nur gelöst werden kann, in dem Lars Schüller tolle Bühnenfiguren baute, die in der von Wolfgang und David Herz sowie Thomas Thielmann gestalteten Kulisse für atemberaubendes Aufsehen sorgen.

Als Anna den Bäcker Hein Eißer (David Herz) aus dem Backofen befreit, worin ihn die Soldaten einsperrten, jubelt das ganze Dorf über den Heldenmut ihres Teufelsweibes. Letztendlich kommt Tusnelda Pfefferkorn (Julia Adler) aus Gotha um sich den Soldatenhauptmann (Michael Bilinger) zu erobern, denn seine Soldaten (Jerome Kecke, Mathias Köhler und Werner Schaub) sind aus Verzweiflung und Angst geflohen. Aus der Feder von Knut Kreuch stammt die Geschichte, die mit Liedern des Münchner Erfolgskomponisten Christian Bruhn hitverdächtige Melodien anstimmte. Egal ob „Das Teufelsweib“ oder die „Spielmannsliebe“ sowie die „Sieben Weltwunder der Musik“, die von Natalie und Lars interpretiert worden sind oder von der Wirtin Dorette, alias Bärbel Kreuch, die ihren Gästen erklärte, was es bedeutet, wenn man etwas auf dem „Kerbholz“ hat.

Junker von Spitznase und seine Frau luden zu „Geselligen Stunden“ ein und natürlich durfte von der Kalten Henne, alias Julia Hartung, auch das Kinderlied „Kikeriki mein Gockelhahn“ nicht fehlen, was die vier Wirtshaustöchter“ (Pia und Sophie Herz, Romy Petschke und Klara Kehr) zu ihrem Lied „Ich bin eine Nervensäge“ herausforderte. Die Wechmarer Mühlenpfeiffer unter Leitung von Romeo Kreuch und Anja Liese stimmten mehrfach ihre Instrumente an, so dass eine authentische Atmosphäre entstand, die in schaurige Gefühle umschwenkte als die Siebleber Nebelgeister unter Federführung von Carolin und Martin Falkenstein das Feuer ins Dorf brachten. Ihr Spiel war so schaurig schön, dass die kleine Sophie Bach (Romy Schüller), die eigentlich der Bühne entsagte, sofort zu Mami Anna Bach auf die Bühne flüchtete und so noch zum Teil des Spiels geworden ist.

Für Max Mänz, von Beruf Apotheker, war es eine Herausforderung zum ersten Male die Regie zu führen, aber er hat es mit Bravour gemeistert, was der minutenlange Applaus für ihn und das ganze Ensemble nach zwei Stunden Spiel eindrucksvoll zum Ausdruck brachte. Sehr gut angekommen sind die Versorgungsstände auf dem Kirchplatz von Susanne Tille. Hier konnten sich die Gäste bereits vor der Aufführung mit Speis und Trank in gemütlicher, zum Stück passender Atmosphäre einstimmen. Die nächsten Veit-Bach-Festspiele Wechmar finden 2030 statt, wenn es heißt „Meer, Wasser, Bach – Johann Sebastian zu Hause“.

Quelle

Foto von Jörg Mansch
Text von Knut Kreuch und Jörg Mansch

Burgen-Blick

Erschienen in der Ausgabe: 26. September 2026